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TRAUERBEGLEITUNG

Das Trauercafé

  • "Hier darf ich weinen, ohne mich zu schämen..." (Text & Foto: Alexandra Kaul)
     

Alle 14 Tage öffnet das Trauercafé des Neuwieder Hospizvereins seine Türen.
Heute werden die Trauernden von Ingrid Hillen (3. v. li)
und Ingrid Speyer (2. v. li.) begleitet.

„Ich bin froh, wenn wieder Montag ist und ich ins Trauercafé gehen kann. Dafür werden alle anderen Termine abgeblasen", erzählt eine Teilnehmerin des Trauercafés, das der Neuwieder Hospizverein Ende 2005 ins Leben gerufen hat. Genau wie die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat auch diese Frau einen geliebten Menschen verloren – die einen trauern um ihren Partner, andere um die Mutter, den Vater oder das eigene Kind. Der Tag, an dem sich ihr Leben schlagartig verändert hat, liegt unterschiedlich lange zurück – einen Monat, ein Jahr oder noch länger. Doch für jeden von ihnen ist dieser Tag noch sehr lebendig, denn er hat eine große Lücke in ihr Leben gerissen, eine Lücke, die nur langsam wieder geschlossen werden kann. „Manchmal denke ich, dass ich mein Leben wieder ganz gut im Griff habe, doch dann kommen Situationen, die mich total herunterreißen“, bekennt eine der Teilnehmerinnen offen.

Jeder macht Ähnliches durch

An ihren ersten Besuch im Trauercafé können sich die meisten noch sehr gut erinnern. „Ich habe lange überlegt und meine Tochter gefragt, was sie von diesem offenen Treffen hält", sagt eine Dame, die ihren Mann verloren hat. Die Entscheidung, den Weg in die Neuwieder Marktstraße zu wagen, habe sie viel Kraft gekostet. Schnell hat sie gemerkt, dass sie hier unter ihresgleichen ist. Hier braucht sie sich und ihre Gefühle nicht zu erklären, jeder macht Ähnliches durch. „Hier darf ich weinen, ohne mich zu schämen. Ich habe das Gefühl, mit meiner Trauer nicht alleine zu sein“, resümiert sie.

"Alleine hätte ich das nie gemacht"

In den Räumlichkeiten des Ambulanten Hospizes können die Trauernden erste kleine Schritte zurück ins Leben wagen. Freundschaften entstehen, und so berichten drei Besucher, dass sie am gestrigen Sonntag gemeinsam Kaffeetrinken waren. „Alleine hätte ich das nie gemacht“, so eine der Damen. Einige der Teilnehmer telefonieren zwischen den Treffen regelmäßig miteinander. „Wenn ich mal wieder einen Durchhänger habe, tut es mir gut, mit den anderen zu reden. Erst letzte Woche habe ich mit einer Teilnehmerin fast drei Stunden telefoniert.“

Trauernde treten aus ihrer Isolation

Die Idee zum Trauercafé hatten drei ehrenamtliche Hospizhelferinnen. „Wir spürten, daß Angehörige nach dem Tod einen geschützten Ort brauchen, an dem sie über ihre Trauer reden können“, so Ingrid Steyer, eine der Initiatorinnen. Und so öffnet sie gemeinsam mit Ingrid Hillen und Hetty Schwickart regelmäßig das Trauercafé. „In den Dörfern treffen sich die Trauernden auf dem Friedhof, in der Stadt gibt es diese Möglichkeit häufig nicht. Daher kommen die Trauernden zu uns und brechen damit ihre Isolation auf", fügt Ingrid Hillen hinzu. Sie hat – wie auch ihre beiden Kolleginnen – eine umfassende Fortbildung in Trauerbegleitung absolviert.

Erinnerung an schöne Erlebnisse helfen

Themen sind bei den Treffen nie vorgegeben. Jeder berichtet über das, was ihn gerade bewegt. „Da wird gelacht, aber auch geweint“, so Ingrid Steyer. Die Trauernden bauen sich gegenseitig wieder auf, geben sich Kraft und Halt. Hier versteht jeder die Probleme des anderen: Der eine kann keine Musik mehr hören, weil es ihn an den gemeinsamen Tanz mit seiner verstorbenen Frau erinnert. Die andere hat ständig den Fernseher an, um sich abzulenken, oder hat Probleme, alleine im gemeinsamen Schlafzimmer zu schlafen. Eine andere überlegt, ob sie die Kleidung ihres verstorbenen Gatten jetzt abgeben darf. Und eine der Teilnehmerinnen berichtet von Freunden, die von ihr verlangen, „wieder normal" zu werden.

Jeder der Teilnehmenden kennt auch das schlechte Gewissen, das sich einstellt, wenn es ihnen einmal gut geht, wenn sie von Herzen lachen. „Dann denke ich jedes mal, dass ich dazu kein Recht mehr habe". „In solchen Momenten erinnere ich mich immer an die schönen Dinge, die ich mit meinem Mann erlebt habe. Und davon gab es viele", ermutigt eine Teilnehmerin.

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TERMINE

Gesprächskreise für trauernde Angehörige

Die Trauergruppe als ein thematisch gestaltetes Angebot, ermöglicht Trauernden die eigene Lebens- situation zu reflektieren, aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und weitet damit den Blick für die Möglichkeiten der eigenen Entwicklung aus der Trauererfahrung. Unter der  Leitung von Fr. Dr. Sylvia Brathuhn trifft sich die Gruppe einmal im Monat, 
jeweils donnerstags.

Die nächsten Termine:
12.01.|09.02.|22.03.|05.04.|
03.05.|31.05.|05.07.2012

Zeit: 18:00 - 20:15 Uhr

Kosten: 5 € pro Treffen

Leitung:
Dr. phil. Sylvia Brathuhn

Ort: Geschäftsstelle des Neuwieder Hospiz e.V.,Willi-Brückner-Str. 1, 56564 Neuwied

In Kooperation mit der ev. mobilen Familienbildungsstätte Neuwied.


Treffen zum Trauern
für Mütter und Väter

Mütter und Väter, die um ein Knd trauern, das sie während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach verloren haben, treffen sich monatlich zu einem Gesprächskreis in den Räumen des Hospizvereins Neuwied, Willi-Brückner-Str. 1. 
Infos bei Christa Schürmann, Tel. 02602-9494813, oder bei Manfred Hübinger, Tel. 02631-987514, von der Caritas.

Die nächsten Treffen sind:
19.10. 2011
Beginn um 19.30 Uhr


Trauercafé  im
Kloster Ehrenstein

Im Kloster Ehrenstein findet einmal im Monat ein Trauercafé statt. Es richtet sich an trauernde Menschen in und um Neustadt und findet in den Räumen des Klosters Ehrenstein statt; Kreuzbrüderweg  2, 53577 Neustadt-Ehrenstein. 

Termine bis Mitte 2012
bis März von 14.00-16.00 Uhr:
11.01.|08.02.|07.03.2012
ab April von 15.00-17.00 Uhr:
04.04.|02.05.2012

Für die Besucher des Trauercafés entstehen keine Kosten, der Besuch ist völlig unverbindlich. Eine An- und Abmeldung ist erforderlich unter Tel. 02635-6200.


Trauercafé in Neuwied

Unser offenes Angebot für Trauernde eröffnet Ihnen die Möglichkeit, einander kennen zu lernen und sich mit ähnlich empfindenden Menschen auszutauschen.

Als Ansprechpartnerinnen und Organisatorinnen stehen ehren- amtliche ausgebildete Trauer- begleiterinnen zur Verfügung.

Es findet jeweils montags in den geraden Wochen von 15:30 bis 17:30 Uhr statt. Die nächsten Termine: 
09.01.|23.01.|06.02.|
05.03.|
19.03.|02.04.|16.04.|30.04.|
14.05.|11.06.|
25.06.2012

Ort: Geschäftsstelle des Neuwieder Hospiz e. V., Willi-Brückner Str. 1,
56564 Neuwied

Eine Teilnahme ist kostenlos, unverbindlich und ohne vorhergehende Anmeldung spontan möglich!