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UNSERE ZIELE
Der Neuwieder Hospizverein ist bemüht, dem Kranken ein menschenwürdiges Sterben
unter Berücksichtigung seiner individuellen Lebenssituation zu ermöglichen. Das
Verweilen bei dem Patienten soll ganz seinem Wunsch entsprechen und orientiert sich an
seinen körperlichen, psychischen, sozialen und religiösen Bedürfnissen. Ihm soll die
Möglichkeit gegeben sein, unabhängig von religiöser Überzeugung, von Herkunft,
sozialer Stellung oder Nationalität seine letzte Lebensphase zu
Hause zu erleben.
Erklärte Absicht unseres Vereins ist die Linderung von Leiden und die Erhaltung einer
möglichst guten Lebensqualität in der letzten Lebensphase durch eine moderne Schmerz-
und Symptomkontrolle (= Behandlung aller Symptome, die jeweils bei dem einzelnen Kranken
vorliegen). Vorhandene Fähigkeiten, Hobbies und liebgewordene Gewohnheiten sollen als
eine Möglichkeit zur sinnvollen Gestaltung des Tages gefördert werden.
Aber auch die Angehörigen brauchen Gesprächsbegleitung und Unterstützung. In ihrem Fall
geht es darum, dass sie leistungsfähig bleiben für eine Situation, die zeitlich schwer
einzuschätzen ist. Sie werden ermutigt, gut für sich selbst zu sorgen, Pausen in der
Betreuung einzulegen und sich Hilfe zu erbitten, bevor sie sich überfordert fühlen. Sie
werden angeregt, über ihre speziellen Probleme zu sprechen.
Der Neuwieder
Hospizverein unterstützt das Ziel des interdisziplinären Teams, eine Gruppe aus Fachleuten und Laien, so wie es Cicely
Saunders in ihren Büchern als Idealvorstellung der Hospizbegleitung seit
jeher angedacht hat. Dabei hat sie eine Vision entwickelt, die sie uns
im
St. Christopher´s Hospice auch selbst vorgelebt hat, nicht in der
Erwartung, dass sie an jedem Sterbebett realisiert werden kann, sondern
als eine Vision, durch die sie uns gelehrt hat, auf welche Weise wir dem
Sterbenden und seinem Angehörigen am Besten wohl tun können.
Es kommt nicht darauf an, dass
sich alle Helfer am Sterbebett regelmäßig treffen und austauschen,
sondern dass sie sich als zusammengehörig fühlen zum Wohl des
betroffenen Kranken und sich bei Problemen oder, wenn sie sich begegnen,
im Sinne des Kranken über aktuelle Probleme austauschen. Durch
gegenseitige Information über wichtige Veränderungen im Befinden des
Kranken soll gewährleistet werden, dass alle beteiligten HelferInnen mit dem
Betroffenen und seinen Angehörigen eine einheitliche Sprache sprechen.
Das interdisziplinäre Team ist die Gruppe der
verschiedenen Helfer am Bett eines Sterbenden, bestehend aus dem
Hausarzt, den ambulanten Pfleger-Innen, dem Seelsorger, dem
Sozialpädagogen, dem Psychologen, den Angehörigen sowie den
ehrenamtlichen HelferInnen.
Ziel ist die ganzheitliche
Versorgung des Kranken, d. h. die Betreuung unter Einschluss aller
seiner Bedürfnisse. Jedes Mitglied des Teams erfüllt fest umrissene
Aufgaben, ohne untereinander in Konkurrenz zu treten. Hierbei übernimmt
die/der ehrenamtliche HospizhelferIn vor allem die Aufgabe einer
Gesprächsbegleitung des Patienten und seiner Angehörigen, der
Pflegedienst die körperliche Pflege, der Arzt die medikamentöse und
medizinische Versorgung, der Seelsorger die religiöse Begleitung, die
Frage nach dem Sinn von Leben und Sterben und die
Antwortlosigkeit der Situation. Wenn es einen Sozialpädagogen oder einen
Psychologen am Bett des Sterbenden geben kann, wird er sich der Sorge um
die „letzten Dinge“ und unerledigten Angelegenheiten annehmen und die
Bewältigung noch ausstehender Konflikte anregen. Die Angehörigen nutzen
die familiäre Nähe zu dem Kranken und ihre langjährige Kenntnis seiner
persönlichen Wünsche, um sich möglichst fürsorglich um ihn zu kümmern
und auf diesem Wege für sein Wohl zu sorgen.
Wenn der Schwerstkranke und Sterbende
es wünscht, wird er in der offenen Auseinandersetzung mit seinem Sterben
von den HospizhelferInnen des Vereins begleitet. Dies ist sicherlich die
schwerste Aufgabe in der Begleitung. Sie kann nur gelingen, wenn der
Kranke durch den Einsatz aller erforderlichen Mittel ein möglichst gutes
Allgemeinbefinden hat, um über sein Leben nachdenken zu können.
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Es ist
allerdings nicht
unser Ziel, dem Kranken den Gedanken an den Tod
aufzudrängen. Es geht um die Sensibilität, ob der Kranke von sich aus bereit
ist, sich mit den Gedanken an seinen eigenen Tod auseinander
zu setzen.
Fast alle Schwerkranken spüren den herannahenden Tod, aber nicht alle wollen
offen darüber sprechen. Hier ist die Fähigkeit des Zuhörens und viel
Einfühlungsvermögen gefordert. Menschen, die sich bewusst mit ihrem Tod
auseinandergesetzt und ihn angenommen haben, äußern häufig den Wunsch, ihre
letzten Angelegenheiten selbst zu regeln. Sie strahlen oftmals sehr viel
Gelassenheit und inneren Frieden aus, was die Menschen ihrer Umgebung sehr
bewegt und den gesamten Sterbeprozess erleichtert.
Auf Wunsch der Angehörigen begleiten wir sie beim Abschiednehmen und in der Zeit ihrer
Trauer so lange, wie es im Einzelfall erforderlich ist. Der Hospizverein setzt sich für
den sehr sensiblen Umgang mit dem Prozess des Loslassens des Verstorbenen ein. Es ist
erwiesen, dass dieser Prozess für die Angehörigen dann am wenigsten traumatisch
verläuft, wenn genügend Zeit zum Abschiednehmen geblieben ist.
Aktive Sterbehilfe (aktive Euthanasie), also eine bewusste Verkürzung
und Beendigung eines Menschenlebens durch Verabreichung entsprechender
Mittel, lehnen wir strikt ab.
Wir erfahren in unserer täglichen
Begleitungsarbeit, dass Menschen, die sich geborgen fühlen, die von
zugewandten Menschen umsorgt werden und eine adäquate Hilfe bei Beschwerden
und Schmerzen erhalten, eine gute Lebensqualität spüren. Sie wollen leben
und machen aktiv Pläne, wie sie ihre Tage mit schönen Erlebnissen und
Begegnungen gestalten können. Dagegen wünschen sich Schwerstkranke, die mit
Schmerzen und anderen Gebrechen alleine gelassen werden, nach einer gewissen
Zeit des aussichtslosen Wartens definitiv den Tod als Ende ihres Leidens und
wären auch bereit, jede Hilfe anzunehmen, um dieses Ziel zu erreichen.
Wir behaupten, dass dies nur zu
menschlich ist und es jedem von uns in gleicher Situation so ähnlich ginge.
Daher bemühen wir uns, die Bedürfnisse der betroffenen kranken Menschen
nicht zu übersehen sondern sorgsam zu beachten und zu erfüllen, damit sie
erst gar nicht in die Lage kommen, sich den Tod durch Euthanasie zu
wünschen.
Der Neuwieder Hospizverein möchte an einem Prozess des Umdenkens zu den Themen Sterben,
Tod und Trauer innerhalb unserer Gesellschaft mitwirken.
"Was früher unvermeidlich und selbstverständlich war, nämlich dem Sterben
zuzusehen, es mitzuerleben, haben wir zu vermeiden gelernt. Es hat Hausverbot erhalten.
Wir haben unsere letzte wie die erste Stunde ausquartiert aus den Räumen, in denen wir
wohnen, und die Sterbenden, wenn irgend möglich, der Einsamkeit und Fremdheit von
Hospitälern ausgeliefert. Geburt und Tod werden der Zuständigkeit von Fachpersonal und
Apparaten überlassen. Wie aber wollen wir das Leben verstehen, wenn wir seinen Anfang und
sein Ende isolieren und uns der leibhaftigen Erfahrung entziehen, dass und wie es kommt
und geht?" (Hans Jürgen Schultz)
Der Hospizverein hat das Ziel der Enttabuisierung in seine Satzung aufgenommen. Wir sind
davon überzeugt: nur wenn wir miteinander darüber reden wird es uns mit der Zeit
gelingen, Ängste abzubauen, Tod und Trauer besser zu verstehen und das Sterben in unser
Leben und unsere Gesellschaft wieder zu integrieren. Dies um zu lernen, die letzte
Lebensphase einzelner Menschen wieder sinnvoller, würdevoller und erfüllter zu
gestalten.
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